Ich bin nur mehr meinem eigenen Gewissen verantwortlich.
Ich will mich nie mehr fürchten und immer so handeln,
daß ich mich meiner Taten nicht zu schämen brauche.
(Lew Kopelew)
Ich will dir zeigen, was den großen Herrn mangelt und was denen fehlt, die alles besitzen: EINER, DER DIE WAHRHEIT SPRICHT.
(Friedrich von Spee)
Denn es ist ein Dünkel, etwas zu wissen, was man nicht weiß.
Und wollte ich behaupten, daß ich um irgendetwas weiser wäre,
so wäre es um dieses, daß, da ich nichts weiß, es auch nicht glaube zu wissen.
(Ich weiß, daß ich nichts weiß.)
(Sokrates)
Some people have something to say,
some other people have to say something.
(frei nach Platon)
Wenn zwei sich unterhalten, dann ist der Dritte der Kork,
der verhindert, daß das Gespräch in die Tiefe sinkt.
(Josef Zeidler, frei nach Friedrich Nietzsche)
Jede Kritik hat damit zu tun, die Dinge nicht so sein lassen zu können,
wie sie sind.
Sie stellt deshalb in erster Linie den Kritiker in Frage und erst
in zweiter das Objekt der Kritik.
(Franz Simon)
Wer die Dummköpfe gegen sich hat, verdient Vertrauen.
(Jean-Paul Sartre)
Wenn jeder hätte vor der Stirn,
aus hellem Glas ein Fensterlein,
darinnen die Gedanken schwirr´n,
und jeder säh´ hinein,
was gäbe das ein Laufen,
was gäbe das ein Laufen,
um matte Scheiben einzukaufen.
(Eugen Roth)
Der, der ich bin, grüßt traurig den, der ich sein möchte.
(Friedrich Hebbel)
Zwei Dinge sind unendlich: das Universum und die menschliche Dummheit.
Aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.
(Albert Einstein)
Kommt ein Indianer nach New York. Fragt ein Ami:
"Und, wie gefällt es Ihnen in unserer Stadt?"
"Geht schon", antwortet da der Indianer,
"und, wie gefällt es Ihnen in unserem Land?"
(unbekannt)
Die Würde des Menschen ist unantastbar
Würde? In manchen Ländern leider nur ein Konjunktiv.
(frei nach Alexander Eilers)
Treffen sich zwei Planeten. Der eine sieht übel aus. Fragt ihn der andere:
"Was ist denn mit Dir los?"
"Ach, ich glaub, ich hab Homo Sapiens."
"Keine Angst, das geht vorüber!"
(Text von Greenpeace T-Shirt)
Das Publikum beklatscht ein Feuerwerk,
aber keinen Sonnenaufgang.
(Friedrich Hebbel)
Kleider machen Leute - aber keine Menschen!
(Rainer Bacher)
Was mir wichtig ist, ist der Mensch. Nicht sein Geburtstag!
(Josef Zeidler)
Es gibt zu viele Flüchtlinge, sagen die Menschen.
Es gibt zu wenig Menschen, sagen die Flüchtlinge.
(Ernst Ferstl)
Der moderne Mensch ist leicht zu lenken,
aber nur schwer zu etwas zu bewegen.
(Ernst Ferstl)
Wir könnten Menschen sein.
Einst waren wir schon Kinder.
Wir sahen Schmetterlinge.
Wir standen unterm silbernen Wasserfall.
Wir sahen alles.
Wir hielten die Muscheln ans Ohr.
Wir hörten das Meer.
Wir hatten Zeit.
(Max Frisch)
When good people do nothing,
it is all that bad people need to win.
(Edmund Burke)
There were two roads, and I travelled on the one that fewer people used.
That has made all the difference.
(Robert Frost)
You can destroy the container if you will;
but the smell of the flowers will not go away.
(Thomas Moore)
Wer andere besiegt, hat Kraft.
Wer sich selbst bezwingt, ist wirklich stark.
(Tao)
In jenen Tagen des Verbrechens verzweifelte der gute Bürger am Vaterland und an der Moral Frankreichs. Gerechtigkeit, Ehre und Vernunft, alles schien verloren! Doch nein: alles war gewonnen! Zola hat nicht nur einen Justizirrtum an den Pranger gestellt, er hat auch die Verschwörung tyrannischer Mächte aufgedeckt, die die Freiheit des Gedankens ersticken wollten. Seine Worte weckten Frankreich auf.
Die Folgen seiner Tat sind unabsehbar, sie wirken sich schon heute aus - groß und gewaltig. Und so wird es in Zukunft sein. Diese Tat hat eine Bewegung sozialer Gerechtigkeit ausgelöst, die unaufhaltsam ist. Es geht aus ihr eine neue Ordnung der Dinge hervor, die auf eine höhere Gerechtigkeit und eine tiefere Erkenntnis der Rechte aller Menschen gegründet ist.
Beneiden wir ihn. Er hat sein Vaterland durch ein großes Werk und eine große Tat gerettet. Beneiden wir ihn, seine Bestimmung und sein Herz zwangen ihm die größte Rolle auf: für einen Augenblick verkörperte er das Gewissen der Menschheit...
(Anatole France in seiner Grabrede zum Tode Emile Zolas)
Der Idealismus wächst mit der Entfernung vom Problem.
(John Galsworthy)
Der einzige, der einen Ozelotpelz wirklich braucht, ist der Ozelot.
(Bernhard Grzimek)
Ein Bettler ist jemand, der sich auf die Hilfe seiner Freunde verlassen hat.
(Ambrose Bierce)
Leute, deren Gesprächen es an Tiefe fehlt, gleichen das oft durch Länge aus.
(unbekannt)
Das Fernsehen unterhält die Leute, indem es verhindert, daß sie sich miteinander unterhalten.
(Sigmund Graff)
Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.
(unbekannt)
Die Erfahrung ist eine Lehrerin, die sich ihre Lektionen sehr teuer
bezahlen lässt. Aber dafür lehrt niemand besser als sie.
(Th. Carlyle)
Statistik
auf den autobahnen
sterben
nachts
frösche igel und hasen
nicht nur
auf den autobahnen
sterben
nachts
frösche igel und hasen
nicht nur
auf den autobahnen
sterben
nicht nur
nachts
frösche igel und hasen
nicht nur
auf den autobahnen
sterben
nicht nur
nachts
nicht nur
frösche igel und hasen
(Joachim Richert)
Genfer Konvention
Es trafen sich
einige ältere herren
gut erzogen genährt und gekleidet
und legten fest
wie wir uns umbringen
dürfen:
zu wasser
zu lande
und in der luft
ordnung muss sein
(Peter Paul Zahl)
Die Intelligenz verdirbt den Sinn für das Wesentliche.
(Antoine de St.-Exupéry)
Lass mich nicht in Menschenhände fallen,
nicht von Menschenaugen lass mich schätzen,
nicht von Menschenzungen lass mich richten,
nicht auf Menschenherzen lass mich trauen.
(nach der Nachricht von der Misshandlung eines Tieres
von einem Kind aufgeschrieben)
Ich jammerte, weil ich keine Schuhe hatte,
bis ich einen Mann ohne Füße traf.
(aus Persien)
Wage es, der Einzelne zu sein. Wage es, zu leben.
(Sören Kierkegaard)
Ich sage mit vollster Überlegung,
dass die in ihren Kirchen organisierte Religion
der Hauptfeind des moralischen Fortschritts
in der Welt war und ist.
(Bertrand Russell)
Jede große Idee tritt an als Blasphemie.
(Betrand Russell)
Tierschützer haben 10 000 Nerze aus einer Pelzfarm im US-Bundesstaat Oregon befreit. Ein Vertreter der Pelzindustrie nannte die Aktion "Öko-Terrorismus". Rund 5 000 Nerze würden verenden, weil sie das Leben in freier Wildbahn nicht gewohnt seien.
Freilich wären ohne die Befreiungsaktion alle 10 000 Nerze verendet, weil sie das Leben als Pelzmantel nicht gewohnt sind.
(Wolfgang Mocker)
Lüge ist schlimm, weil sie trennend wirkt:
sie trennt den Lügner vom Belogenen
und alle beide von der Wahrheit.
(unbekannt)
Leader sollten führen, soweit sie können,
und sich dann in Luft auflösen.
Ihre Asche sollte nicht das Feuer ersticken,
das sie entzündet haben.
(H. G. Wells)
Ein Plan, der sich nicht ändern lässt, ist ein schlechter Plan.
(Sallust)
Wer in Urlaub fahren muss, hat weder
die richtige Wohnung noch die richtige Arbeit.
(Wildberger Weisheit)
Wer eine Organisation gründet
sichert die Verhinderung ihres Zwecks.
(Rudolf Doernach)
Je weniger intelligent ein Mensch,
für umso dümmer hält er Tiere.
(Rudolf Doernach)
Das Mittelmaß ist gut - für die Mittelmäßigen.
(unbekannt)
Ihr Weißen behauptet, Recht zu haben, und wir sollen im Irrtum sein.
Woher sollen wir wissen, ob das stimmt...
Wenn es nur eine Religion gibt, warum glauben die Weißen dann so viele verschiedene Dinge?
Wir streiten uns niemals über religiöse Fragen.
(Sagoyewatha, Red Jacket (Seneca))
Wir sind durch die Dinge, die wir besitzen, selbst in Besitz genommen.
Wenn ich ein Ding mag, schenke ich es immer weg.
Das ist nicht Freigiebigkeit - ich mache das nur, damit andere von dem Ding versklavt sind - nicht ich.
(Jean-Paul Sartre)
Versucht nicht, Dinge zu besitzen, denn sie können nie wirklich besessen werden.
Achtet nur darauf, nicht von ihnen in Besitz genommen zu werden, dann seid ihr der Herr der Schöpfung.
(Anthony de Mello)
Man braucht zwei Jahre, um sprechen zu lernen,
und fünfzig, um schweigen zu können.
(Ernest Hemingway)
Wie gut ginge es mir ohne all die Leute,
die mir weismachen wollen, es ginge mir schlecht.
(unbekannt)
Nach meiner Erfahrung ist der ärgste Feind und Verderber der Menschen der auf Denkfaulheit und Ruhebedürfnis beruhende Drang nach dem Kollektiv, nach Gemeinschaften mit absolut fester Dogmatik, sei diese nun religiös oder politisch.
(Hermann Hesse)
Es ist schwer, mit Menschen zu leben, weil das Schweigen so schwer ist.
(Friedrich Nietzsche)
Das sicherste Mittel, Kinder zu verlieren, ist,
sie für immer behalten zu wollen.
(Adolf Sommerauer)
Grausamkeit gegen Tiere ist eines der kennzeichnendsten
Laster eines niederen und unedlen Volkes.
(Alexander von Humboldt)
Man führt nicht mehr genug Selbstgespräche heutzutage.
Man hat wohl Angst, sich selbst die Meinung zu sagen.
(Jean Girandoux)
Beide schaden sich selbst:
der, der zuviel verspricht und
der, der zuviel erwartet.
(Gotthold Ephraim Lessing)
Haben Sie schon einmal einen Wegweiser den Weg gehen sehen, den er weist?
(Max Scheler)
Kinder und Uhren dürfen nicht beständig aufgezogen werden.
Man muß sie auch gehen lassen.
(Jean Paul)
Wenn jemand einmal eine Theorie akzeptiert,
führt er erbitterte Nachhutgefechte gegen die Tatsachen.
(Jean-Paul Sartre)
Wissenschaft ist der augenblicklich geltende Irrtum.
(Arnold Gehlen)
Sie haben Angst vorm Älterwerden?
Ein Tuberkulosekranker in der Dritten Welt würde sich darüber freuen.
(gesehen auf einem Plakat an einer S-Bahn-Station)
Was ich erlebe, erzeuge ich
Wer es gestattet – die staatlichen Instanzen einbezogen! – dass schon kleine Kinder mit Kriminalgeschichten gefüttert werden, darf sich nicht wundern, dass die Saat der Kriminalität, der Dieberei, des Gangstertums, die der mangelnden Ehrfurcht vor dem Leben ..., die täglich durch die Massenmedien ausgesät wird, im späteren Leben einmal aufgehen wird.
Kaufe nur solche Spielsachen, die das Schöpferische im Kind wecken können! Am „perfekten Spielzeug“ – das meist auch am teuersten ist! – hat das Kind nur kurze Freude. Wenn es nichts mehr gestalten, nichts mehr verbessern kann, wird es schöpferisch im Zerstören.
(Franz Krabichler)
Mönche und Gelehrte dürfen meine Worte nicht aus Respekt annehmen, sie müssen sie aufgliedern und bearbeiten, wie der Goldschmied Gold bearbeitet - durch Sägen, Gravieren, Löten und Schmelzen.
(Buddha)
Vielmals habe ich zugesehen, wie ein Saal voll Menschen, eine Stadt voll Menschen, ein Land voll Menschen von jenem Rausch und Taumel ergriffen wurde, bei dem aus den vielen Einzelnen eine Einheit, eine homogene Masse wird, wie alles Individuelle erlischt und die Begeisterung der Einmütigkeit, des Einströmens aller Triebe in einen Massentrieb Hunderte, Tausende oder Millionen mit einem Hochgefühl erfüllt, einer Hingabelust, einer Entselbstung und einem Heroismus, der sich anfänglich in Rufen, Schreien, Verbrüderungsszenen mit Rührung und Tränen äußert, schließlich aber in Krieg, Wahnsinn und Blutströmen endet.
Vor dieser Fähigkeit des Menschen, sich an gemeinsamem Leid, gemeinsamem Stolz, gemeinsamem Haß, gemeinsamer Ehre zu berauschen, hat mein Individualisten- und Künstlerinstinkt mich stets aufs heftigste gewarnt. Wenn in einer Stube, einem Saal, einem Dorf, einer Stadt, einem Land dieses schwüle Hochgefühl spürbar wird, dann werde ich kalt und mißtrauisch, dann schaudere ich und sehe schon das Blut fließen und die Städte in Flammen stehen, während die Mehrzahl der Mitmenschen, Tränen der Begeisterung und Ergriffenheit in den Augen, noch mit dem Hochrufen und der Verbrüderung beschäftigt ist.
(Hermann Hesse)
Mir ist es so ergangen: Bespuckt und angegriffen bin ich noch niemals wegen irgendeiner dummen und halben und wertlosen Sache worden, sondern wenn ich ausgepfiffen wurde, so war es jedesmal für eine Leistung oder Gesinnung, die sich nachher bewährt hat.
(Hermann Hesse)
Du alte Beamtenseele, ... Nie hat dir jemand den Weg ins Freie gezeigt, und du kannst nichts dafür. Du hast dir deinen Frieden gezimmert, indem du wie die Termiten alle Luken verschlossen hast, durch die das Licht zu dir drang und durch die du zum Licht schautest. Du hast dich eingerollt in bürgerliche Sicherheit, in Gepflogenheiten, in die erstickenden Bräuche deines Provinzlebens. Du hast dies bescheidene Bollwerk aufgerichtet gegen Sturm und Flut und Gestirne. Du willst dich nicht mit großen Fragen belasten; du hattest genug zu tun, dein Menschentum zu vergessen. Du fühlst dich nicht als Bewohner eines Sternes, der durch den Weltraum irrt, du stellst keine Fragen, auf die du keine Antwort bekommst;
... Als es noch Zeit war, hat keiner dich mitzureißen versucht; nun ist der Lehm, aus dem du gemacht bist, eingetrocknet und hart, das verborgene göttliche Spiel in dir wird nie zum Klingen erwachen: tot ist der Dichter, der Musiker, der Sternenforscher, die vielleicht auch in dir einst gewohnt haben.
(Antoine de Saint-Exupéry)
"Das Problem wurde zehn Jahre lang diskutiert. Getan wurde aber nichts, denn niemand hatte detaillierte Informationen. Diese waren nur auf der niedrigsten Ebene vorhanden, bei den Ingenieuren. Warum die Ingenieure auf der niedrigsten Ebene der Entscheidungsprozesse eingestuft wurden, weiß ich nicht, aber dies scheint ein allgemeines Gesetz zu sein: Jene, die etwas über die wirkliche Welt wissen, bilden in diesen großen Organisationen die niedrigste Stufe, und jene, die nur wissen, wie man andere Leute beeinflussen kann, indem man ihnen sagt, wie schön die Welt im Idealfall sein könnte, sind an der Spitze." Soweit Feynman zur Organisation der NASA.
(aus: Richard Feynman, "Sie belieben wohl zu scherzen, Mr. Feynman!")
DIE NACHTLAGER
Ich höre, daß in New York
an der Ecke der 26. Straße und des Broadway
während der Wintermonate jeden Abend ein Mann steht
und den Obdachlosen, die sich ansammeln,
durch Bitten an Vorübergehende ein Nachtlager verschafft.
Einige Menschen haben ein Nachtlager
der Wind wird von ihnen eine Nacht lang abgehalten
der ihnen zugedachte Schnee fällt auf die Straße
aber die Welt wird dadurch nicht anders
die Beziehungen zwischen den Menschen bessern sich dadurch nicht
das Zeitalter der Ausbeutung wird dadurch nicht verkürzt.
Leg das Buch nicht nieder, der du das liesest, Mensch.
Die Welt wird dadurch nicht anders
die Beziehungen zwischen den Menschen bessern sich dadurch nicht
das Zeitalter der Ausbeutung wird dadurch nicht verkürzt
aber einige Menschen haben ein Nachtlager
der Wind wird von ihnen eine Nacht lang abgehalten
der ihnen zugedachte Schnee fällt auf die Straße.
(Bertolt Brecht)
Fahrend in einem bequemen Wagen,
auf einer regnerischen Landstraße,
sahen wir einen zerlumpten Menschen bei Nachtanbruch,
der uns winkte, ihn mitzunehmen, sich tief verbeugend.
Wir hatten ein Dach,
und wir hatten Platz,
und wir fuhren vorüber,
und wir hörten mich sagen
mit einer grämlichen Stimme:
"Nein, wir
können niemanden mitnehmen."
Wir waren schon weit voraus,
einen Tagesmarsch vielleicht,
als ich plötzlich erschrak über
diese meine Stimme,
dies mein Verhalten
und diese ganze Welt.
(Bertolt Brecht)
Ma vache a pondu un oeuf.
Je l´ai donné à une poule
et il en est sorti un poussin.
Ma vache a pondu un deuxième oeuf.
Je l´ai mis en terre
et il en est sorti un bel arbre.
Ma vache a pondu un troisième oeuf.
Je l´ai donné à un honnète citoyen
et il en est sorti un homme libre.
Ma vache a pondu un quatrième oeuf.
Je l´ai donné à la société qui a
mangé le poussin,
coupé le bel arbre vert,
mis l´homme libre en prison.
Ma vache ne pond plus d´oeufs,
on l´a menée aux abattoirs.
Meine Kuh hat ein Ei gelegt.
Ich hab es einer Henne gegeben
und es ist daraus ein Küken geschlüpft.
Meine Kuh hat ein zweites Ei gelegt.
Ich habe es in die Erde gesteckt
und es ist daraus ein schöner Baum entstanden.
Meine Kuh hat ein drittes Ei gelegt.
Ich habe es einem ehrlichen Bürger gegeben
und es ist daraus ein freier Mann geworden.
Meine Kuh hat ein viertes Ei gelegt.
Ich hab es der Gesellschaft gegeben, die
das Hühnchen gegessen,
den schönen, grünen Baum gefällt,
den freien Mann ins Gefängnis gesteckt hat.
Meine Kuh legt nun keine Eier mehr,
man hat sie in die Legebatterie verfrachtet.
(Hervé)
Mahatma Gandhi wollte die Frauen bitten, dass sie den Männern die Waffen aus den Händen nähmen, ehe sie die ganze Welt und sich selber zu Grunde richten. Er dachte, dass eine Frau niemals Kinder gebären will, die dann wieder in den Krieg müssen. Und sie will nicht 18-jährige, die Treueeide schwören müssen und befehlsgemäß in die Mordmaschine des Militärs hineingeraten. Gandhi, der Pazifist, glaubte wie Jesus, dass Frauen das Leben schützen wollen vor männlicher Gewalt. Heute sind wir dabei, unter Gleichberechtigung zu verstehen, dass Frauen jeden Wahn, den wir Männer ihnen seit Jahrtausenden vormachen, auch machen dürfen. Ich glaube, es ist in jeder Weise ein enormer Rückschritt, weil wir dabei die letzten Spielräume einer humanen Alternative aufs Spiel setzen.
(Eugen Drewermann)
Wir müssen unsere Vorstellung von Ethik unbedingt ändern. Wir sind nicht der Maßstab dessen, was verantwortlich richtig ist, sondern die Einbeziehung des Menschen in die Natur müsste als Verantwortungsethik definiert werden. Wir sind Teil dieser Natur. Wir sind nicht ausgenommene Herrscher über den Rest der Welt. Ich gebe nur einen kleinen Vergleich: Es genügt festzustellen, dass BSE als Creutzfeldt-Jakob-Krankheit auf den Menschen überspringen könnte; das könnte ein, zwei, fünf Personen betreffen. Dann wird das dahin führen, dass wir in Großbritannien über vier Millionen Rinder abschlachten, ein Holocaust in wörtlichem Sinne – ein Brandopfer für einen blutigen Dämon. Die Rinder sind deshalb BSE-krank geworden, weil wir, statt ihnen artgerecht normale Weiden zur Verfügung zu stellen, sie in Stallungen gebracht haben, wo sie das Futtermehl ihrer eigenen Artgenossen zu fressen vorgesetzt bekommen. Die Erkrankungswege bestehen darin, dass man vegetarisch lebende Tiere wie Kannibalen hält. Es geht aber alles in Ordnung, solange es uns Menschen nicht betrifft. Drei, vier Menschen, die erkranken könnten, rechtfertigen dann vier Millionen tote Tiere.
Wenn wir denken wollten, dass sich die Polizei Gedanken mache über das Verkehrsaufkommen im Raum München, Frankfurt oder Berlin und wir müssten in den Stauzeiten mit Verletzten und auch mit Toten rechnen, dann ist das kein Grund, etwa vier Millionen Autos von den Straßen zu nehmen. Autos sind unsere heiligen Kühe. An die darf gar nichts kommen, denn daran verdienen wieder diejenigen, die sie herstellen. Die Folgen sind uns sogar dann egal, wenn es uns Menschen selbst betrifft. Bei den Tieren ist der Schutz der Menschen absolut.
(Eugen Drewermann)
Leo Tolstoi hat einmal gesagt: „Solange es Schlachthöfe gibt, solange wird es auch Schlachtfelder geben.“
Irgendwann tun wir all das mit uns selber, was wir gefühllos genug bei den Tieren exerziert haben.
(Eugen Drewermann)
Das Prinzip „Auge um Auge“ bedeutet, dass am Ende kein Mensch mehr sieht und alle blind sind vor Hass und Angst und Rachegefühlen. Und jeder hat wieder Angst vor den Möglichkeiten des anderen, jeder wird zum Wolf des anderen. Wo ist denn damit einmal Schluss? Was soll mir denn für eine Erleichterung dabei werden, wenn ich weiß, es wird der andere genauso gequält, wie er mich gequält hat? Dann haben wir doch nur zwei Unglückliche, die in Zukunft noch mehr Grund haben, voreinander Angst zu haben. So werden wir niemals zu Menschen!
(Mahatma Gandhi)
Wenn Gott ein Wort in dieser Zeit spräche, dann dieses
Verschwindet aus meinen Kirchen! Geht, wenn ihr um den Frieden beten wollt, zu den Banken – da kniet nieder und betet vor eurem Gott! Er ist euch Tausende von Menschen wert, Millionen von Verhungernden. Betet zu dem einzigen Götzen, an den ihr glaubt, das Geld, da kniet nieder und spuckt eure Lügen, aber nicht in meinen Kirchen. Dahin gehört ihr nicht, wenn ihr um den Frieden beten wollt! Es gibt ihn nicht, außer unter Einsatz der Freiheit und der Menschlichkeit und der Ehrlichkeit. Anders erscheint nicht vor meinem Angesicht!
(Eugen Drewermann anno 1991)
Sicherheit durch Waffen?
Es gibt sie nicht isoliert, diese Sicherheit. Politik macht man nicht wie ein Igel, indem man sich zusammenrollt und die Raketenstacheln ausfährt. Sicherheit gibt es nur innerhalb einer gemeinsamen Menschheit oder gar nicht.
(Eugen Drewermann)
Das Weltall zum Ausverkauf!
Vor einigen Jahren konnte ein brasilianischer Multimillionär für lausige 10 Millionen Dollar ein Gebiet im Amazonas-Urwald von der Größe der Niederlande und Belgiens kaufen. Und was Herr Do Almeiola jetzt mit seinem Urwald macht, ist im Grunde egal. Er kann machen, was er will. Ob da Tiere leben, Pflanzen wachsen, Indios wohnen – alles gehört ihm! Das ist die Welt, in der wir leben. Welch ein Kind soll noch glauben, dass ein Äffchen, dass eine Liane, dass ein Fluss, dass ein Mensch an und für sich etwas wert ist!
Der Zoologe Bernhard Grzimek hat vor vielen Jahren zum Ärger vieler Fernsehzuschauer, aber zu meiner großen Freude gesagt: Wir machen einen Vergleich. Wir nehmen einmal an, es käme jemand auf die Idee, eine Autobahn mitten durch den Vatikan zu legen, dann würde die UNESCO sofort protestieren gegen diesen kulturellen Frevel. Oder eine Straße durch den Circus Maximus zu legen! Das wäre eine Schande für ganz Italien. Dabei gibt es den Vatikan erst seit ungefähr 450 Jahren in dieser Form, den Circus Maximus erst seit 2000 Jahren – und der war nichts als Ort des Schreckens. Ob er erhaltenswert ist, kann man diskutieren. Der brasilianische Regenwald hingegen existiert seit über 60 Millionen Jahren, seit der Kreidezeit. Gott, wenn man an ihn als Schöpfer glaubt, hat diesen gigantischen Zeitraum benötigt, um dieses Kunstwerk höchst verschachtelter Lebensformen, ein Biotop von unvergleichlichem Reichtum, zu etablieren. Wir geben all das zum Ausverkauf hin, indem wir ganze 50 oder 60 Jahre brauchen, um mit der Bandsäge und durch Flammenrodung all das zu zerstören. Was gibt uns das Recht dazu?
Kapitalismus bedeutet aber, genau so vorzugehen. Es gibt keinen Wert, außer wir definieren ihn als ein Verkaufsobjekt, das wir auf dem Markt noch höher anbieten und verhökern können als wir es eingekauft haben. Diese Welt zum Ausverkauf zeigt, dass der Kapitalismus einen zentralen Fehler begeht, denn so darf man nicht handeln, wenn man leben will.
(Eugen Drewermann)
Die folgenden Geschichten sind aus Anthony de Mellos Bücher
"Eine Minute Unsinn", "Eine Minute Weisheit", "Warum der Schäfer jedes Wetter liebt", "Wer bringt das Pferd zum Fliegen?" und "Zeiten des Glücks"
Weg mit den Kindern
In den frühen fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts verbrachte der amerikanische Maler James McNeill Whistler eine kurze - und akademisch betrachtet erfolglose - Zeit in West Point, der amerikanischen Militärakademie.
Es wird erzählt, er hätte eine Brücke zeichnen sollen und habe daraufhin eine romantische steinerne Brücke mit grasbewachsenen Böschungen und zwei kleinen Kindern, die von dort oben fischten, entworfen. Der Ausbilder sagte: "Nehmen Sie die Kinder von der Brücke, es geht hier um eine Übung für Ingenieure."
Whistler verbannte die Kinder von der Brücke und zeichnete sie auf der Böschung ein. Dann legte er die Skizze erneut vor. Der wütende Ausbilder schrie: "Ich habe Ihnen doch gesagt, Sie sollen diese Kinder entfernen! Lassen Sie sie ganz aus dem Bild heraus!"
Aber der schöpferische Drang in Whistler war zu stark. Auf seiner nächsten Version waren die Kinder "ganz aus dem Bild heraus". Sie lagen unter zwei kleinen Grabsteinen am Flußufer.
Gewisse Menschen werden nie etwas lernen, weil sie alles zu schnell begreifen.
Weisheit ist schließlich kein Bahnhof, an dem man ankommt, sondern eine Art zu reisen.
Reist man zu schnell, übersieht man die Landschaft.
Genau zu wissen, wohin man will, kann der beste Weg sein, sich zu verirren.
Nicht alle, die bummeln, verlaufen sich.
Der Meister und ein Schüler begegneten unterwegs einem Blinden. Sagte der Meister: "Gib dem Mann ein Almosen!"
Der Schüler warf eine Münze in den Hut des Bettlers.
Sagte der Meister: "Du hättest deinen Hut ziehen sollen als Zeichen des Respekts."
"Warum?" wollte der Schüler wissen.
"Man sollte es immer tun, wenn man ein Almosen gibt."
"Aber der Mann war doch blind!"
"Man kann nie wissen", erwiderte der Meister, "vielleicht war er ein Schwindler."
Der Forscher
Der Forschungsreisende war zu seinem Volk zurückgekehrt und jeder war begierig, alles ganz genau über den Amazonas zu erfahren.
Aber wie konnte er je das Gefühl in Worte fassen, das sein Herz erfüllte, als er Blumen von atemberaubender Schönheit sah und die Geräusche im nachtdunklen Wald vernahm? Wie sollte er ihnen vermitteln, wie sich sein Herz zusammenzog, wenn er die gefährliche Nähe wilder Tiere spürte oder sein Kanu über riskante Strecken des Flusses steuerte?
Er sagte: "Geht hin, und sucht es selbst herauszufinden. Persönliches Risiko und Erfahrung sind nicht zu ersetzen." Um ihnen jedoch einige Anhaltspunkte zu geben, zeichnete er eine Karte des Amazonas. Sie stürzten sich auf die Karte. Sie rahmten sie und hingen sie in ihrem Rathaus auf. Jeder erhielt eine Kopie. Und jeder, der eine Kopie hatte, hielt sich für einen Amazonas-Experten, denn kannte er nicht jede Krümmung und Biegung des Flusses, und wusste er nicht, wie breit und tief er war, wo die Stromschnellen sich befanden und wo die Wasserfälle?
Der Forscher bereute die Karte. Sicher wäre es besser gewesen, nichts aufzuzeichnen.
Es wird gesagt, Buddha hätte sich stets geweigert, in ein Gespräch über Gott verwickelt zu werden. Wahrscheinlich wusste er, dass es gefährlich war, Karten für potentielle Gelehrte zu zeichnen.
Verantwortung
Der Meister begab sich mit einem seiner Schüler auf eine Reise. Draußen vor dem Dorf trafen sie den Gouverneur, der irrtümlicherweise annahm, sie kämen, ihn in dem Dorf willkommen zu heißen. Er sagte also: "Ihr hättet euch wirklich nicht die Mühe zu machen brauchen, um mich zu begrüßen."
"Ihr irrt, Hoheit", sagte der Schüler. "Wir sind unterwegs auf einer Reise, aber hätten wir gewußt, daß ihr kommt, hätten wir keine Mühe gescheut, Euch willkommen zu heißen."
Der Meister sagte kein Wort. Gegen Abend bemerkte er: "Mußtest du ihm erzählen, daß wir nicht gekommen waren, ihn zu begrüßen? Hast du bemerkt, wie blamiert er sich fühlte?"
"Hätten wir ihm aber nicht die Wahrheit gesagt, dann wären wir der Täuschung schuldig geworden."
"Wir hätten ihn überhaupt nicht getäuscht", sagte der Meister. "Er hätte sich selbst getäuscht."
Bescheidenheit
Einem Gast, der sich selbst einen Wahrheitssucher nannte, sagte der Meister: "Wenn du die Wahrheit suchst, musst du vor allem anderen eine Sache besitzen."
"Ich weiß, ein unbezwingbares Verlangen nach Wahrheit."
"Nein. Eine nie nachlassende Bereitschaft zuzugeben, dass du Unrecht haben könntest."
Das Denkmal des Kritikers
Einem fortschrittlichen Geist, den häufige Kritik entmutigte, sagte der Meister: „Hör auf die Worte des Kritikers. Er verrät, was deine Freunde vor dir verbergen.“
Aber er sagte auch: „Lass dich nicht von dem, was der Kritiker sagt, niederdrücken. Noch nie wurde zu Ehren eines Kritikers ein Denkmal errichtet, wohl aber für Kritisierte.“
Ich hab´ nur meine Pflicht getan
Der Meister richtete ein scharfes Protestschreiben an den Gouverneur wegen seines brutalen Vorgehens gegen eine antirassistische Demonstration.
Der Gouverneur schrieb zurück, dass er nur seine Pflicht getan hätte.
Sagte der Meister: „Immer, wenn ein sturer Mensch etwas macht, worüber er sich schämen sollte, erklärt er es zu seiner Pflicht.“
Angst vor leeren Blättern
Als ein Diktator an die Macht kam, wurde der Meister beim Verteilen von Flugblättern, was gegen die Zensurbestimmungen des Landes verstieß, auf der Straße festgenommen.
Die Polizei untersuchte seinen Rucksack, fand darin jedoch statt Propagandamaterial nur blanke Papierbögen.
„Was hat das zu bedeuten?“, wollte der Polizist wissen.
Der Meister lächelte und erwiderte: „Die Leute wissen, was das zu bedeuten hat.“
Die Geschichte sprach sich im ganzen Land herum, so dass es die Priester keineswegs amüsierte, als einige Jahre später der Meister dabei entdeckt wurde, wie er blanke Papierbogen im Tempelbezirk verteilte.
Formulierungen
"Was sucht ihr?" fragte der Meister einen Gelehrten, der sich von ihm Beratung erhoffte.
"Leben", lautete die Antwort.
Sagte der Meister: "Wenn ihr leben wollt, müssen die Wörter sterben."
Als er später gefragt wurde, was er damit meinte, sagte er: "Ihr seid verraten und verkauft, weil Ihr in einer Welt von Wörtern lebt. Ihr nährt Euch von Wörtern, begnügt Euch mit Wörtern und hättet doch Substanz nötig. Eine Speisekarte wird Euren Hunger nicht stillen und eine Formel nicht Euren Durst."
Erziehung
Argwöhnisch, wie der Meister war, wenn es um Wissen und Lernen göttlicher Dinge ging, versäumte er doch nie eine Gelegenheit, Künste und Naturwissenschaften und jede andere Form des Lernens zu unterstützen. Es war also nicht überraschend, daß er bereitwillig eine Einladung annahm, bei der Universitätseröffnung eine Rede zu halten.
Er traf eine Stunde vor Beginn ein, um sich auf dem Campus umzusehen und staunte über die Studieneinrichtungen und -möglichkeiten, die zu seiner Zeit nicht vorhanden waren.
Bezeichnenderweise dauerte seine Eröffnungsansprache weniger als eine Minute. Er sagte:
"Laboratorien und Bibliotheken, Hallen, Portale und Bögen, sowie gelehrte Vorlesungen werden zu nichts führen, wenn das weise Herz und das sehende Auge fehlen."
Menschlichkeit
Für den Vortrag des Meisters über "Die Zerstörung der Welt" wurde viel Voraus-Reklame gemacht, und eine große Menschenmenge versammelte sich auf dem Gelände des Klosters, um ihm zuzuhören.
Die Ansprache war in weniger als einer Minute beendet. Er sagte nur:
"Folgendes wird die menschliche Rasse vernichten:
Politik ohne Prinzipien,
Fortschritt ohne Mitleid,
Reichtum ohne Arbeit,
Lernen ohne Stille,
Religion, wenn sie nicht furchtlos ist
und Verehrung ohne Bewußtheit."
Erleuchtung
"Wie ist der Mensch, der erleuchtet wurde?"
Sagte der Meister:
"Er hat Gemeinsinn und gehört zu keiner Partei,
er bewegt sich, ohne einem vorgeschrieben Kurs zu folgen,
er nimmt die Dinge, wie sie kommen,
er bereut nicht die Vergangenheit, hat keine Furcht vor der Zukunft,
er folgt einem Anstoß und gibt dem Drängen nach,
er ist wie der Sturmwind
und wie eine Feder im Wind,
er läßt sich treiben wie Gräser im Fluß
und ist wie ein Mühlstein, der geduldig mahlt,
er liebt die Schöpfung ohne Unterschied,
da Himmel und Erde gleich sind für alle.
So ist der Mensch, der erleuchtet wurde."
Der Meister befürwortete beides: Gelehrsamkeit und Weisheit.
"Gelehrsamkeit", sagte er auf eine Frage, "erwirbt man durch Bücherlesen oder indem man Vorlesungen besucht."
"Und Weisheit?"
"Indem du das Buch liest, das du selbst bist."
Er fügte noch hinzu: "Das ist durchaus keine einfache Aufgabe, denn stündlich kommt eine Neuauflage des Buches heraus!"
Programmiert
Der Meister hielt den Menschen immer wieder ihre roboterhafte Lebensweise vor Augen: "Wie kannst du dich Mensch nennen, wenn jedes Denken, jedes Fühlen und Handeln mechanisch vor sich geht und nicht aus dir selbst kommt, sondern deiner Beeinflussung oder deinem Programmiert-Sein entspringt?"
"Kann etwas dieses Programmiert-Sein durchbrechen und uns davon loslösen?" fragte ein Schüler.
"Ja, Bewußtheit."
Und nach kurzem Nachdenken fügte er hinzu: "Und eine Katastrophe."
"Eine Katastrophe?"
"Ja. Ein sehr englischer Engländer erzählte mir einmal, daß er nach einem Schiffsbruch mitten im Ozean mit einem anderen Engländer eine ganze Stunde lang im Meer geschwommen war, bis es ihm endlich gelang, sich von seinem Programmiert-Sein zu befreien und zu sprechen, ohne vorgestellt zu sein!"
"Was sagte er?"
"Er sagte: ´Entschuldigen Sie, daß ich Sie so anspreche, ohne vorgestellt worden zu sein, aber ist das die Richtung nach Southhampton?´"
Augenlider
Nachdem sich einer seiner Schüler eines ernsten Vergehens schuldig gemacht hatte, erwarteten alle, daß der Meister ihn exemplarisch bestrafen würde.
Als ein voller Monat vorübergegangen war, ohne daß er etwas getan hatte, machte man dem Meister Vorwürfe:
"Wir können nicht übersehen, was passiert ist. Schließlich hat uns Gott Augen gegeben."
"Ja", erwiderte der Meister, "und Augenlider."
Die Weltmesse der Religionen
Mein Freund und ich gingen auf die Messe. DIE WELTMESSE DER RELIGIONEN. Keine Handelsmesse, eine religiöse Messe. Aber der Wettbewerb war genauso verbissen, die Reklame genauso laut.
Am jüdischen Stand erhielten wir Prospekte, die besagten, Gott sei allbarmherzig und die Juden sein auserwähltes Volk.
Am islamischen Stand erfuhren wir, Gott sei voller Gnade und Mohammed sein einziger Prophet. Das Heil erlange man, wenn man auf den einzigen Propheten Gottes höre.
Am christlichen Stand entdeckten wir, daß Gott die Liebe sei und es außerhalb der Kirche keine Rettung gäbe. Nur ein Mitglied der Kirche läuft nicht die Gefahr ewiger Verdammnis.
Beim Hinausgehen fragte ich meinen Freund: "Was hältst du von Gott?"
Er erwiderte: "Er ist engstirnig, fanatisch und grausam."
Wieder zu Hause fragte ich Gott: "Was hältst du von einer solchen Sache, Herr? Merkst du nicht, daß man dich jahrhundertelang in Mißkredit gebracht hat?"
Gott sagte: "Ich habe die Messe nicht organisiert. Ich hätte mich geniert, auch nur hinzugehen."
Jesus beim Fußballmatch
Jesus Christus sagte, er sei noch nie bei einem Fußballmatch gewesen. Also nahmen meine Freunde und ich ihn zu einem Spiel mit. Es war eine wilde Schlacht zwischen den protestantischen Boxern und den katholischen Kreuzfahrern.
Die Kreuzritter erzielten den ersten Treffer. Jesus schrie laut Beifall und warf seinen Hut in die Luft. Dann waren die Boxer vorne. Und Jesus spendete wild Beifall und warf seinen Hut in die Luft.
Das schien den Mann hinter uns zu verwirren. Er klopfte Jesus auf die Schulter und fragte: "Für welche Partei brüllen Sie, guter Mann?"
"Ich", erwiderte Jesus, den mittlerweile das Spiel sichtlich erregte, "oh, ich schrei für keine Partei. Ich bin bloß hier, um das Spiel zu genießen."
Der Frager wandte sich seinem Nachbarn zu und feixte: "Hm, ein Atheist!"
Auf dem Rückweg klärten wir Jesus über die Lage der Religionen in der heutigen Welt auf. "Fromme Leute sind ein komisches Volk, Herr", sagten wir, "sie scheinen immer zu denken, Gott sei auf ihrer Seite und gegen die Leute von der anderen Partei."
Jesus stimmte zu. "Deswegen setze ich nie auf Religionen, ich setze auf Menschen", sagte er. "Menschen sind wichtiger als Religionen. Der Mensch ist wichtiger als der Sabbat."
"Du solltest deine Worte wägen", sagte einer von uns etwas besorgt. "Du bist schon einmal wegen einer solchen Sache gekreuzigt worden."
"Ja - und von religiösen Leuten", sagte Jesus mit gequältem Lächeln.
Stille bedeutet, Worte und Gedanken hinter sich zu lassen. Was ist falsch an Wörtern und Gedanken? Sie schränken ein.
Ein Guru fragte seine Schüler, wie sie das Ende der Nacht vom Beginn des Tages unterscheiden könnten.
Einer sagte: "Wenn man in der Entfernung ein Tier sieht und erkennt, ob es eine Kuh oder ein Pferd ist."
"Nein", sagte der Guru.
"Wenn man in der Entfernung einen Baum sieht und erkennt, ob es ein Paternosterbaum oder ein Mango ist."
"Wieder falsch", sagte der Guru.
"Also, wie dann?" fragten die Schüler.
"Wenn man in das Gesicht eines Mannes blickt und darin seinen Bruder erkennt; wenn man in das Gesicht einer Frau blickt und in ihr seine Schwester erkennt. Wer dazu nicht fähig ist, für den ist - wo immer die Sonne auch stehen mag - Nacht."
Plutarch erzählt die Geschichte von Alexander dem Großen, der zu Diogenes kommt, als dieser gerade aufmerksam einen Haufen menschlicher Knochen betrachtet.
"Was sucht Ihr?" fragte Alexander.
"Etwas, das ich nicht finden kann", sagte der Philosoph.
"Und was ist das?"
"Den Unterschied zwischen den Knochen Eures Vaters und denen seiner Sklaven."
Auch diese Knochen sind nicht zu unterscheiden:
Katholische von protestantischen,
Hinduknochen von muslimischen,
arabische von israelischen,
russische von amerikanischen Knochen.
Erleuchtete sehen keinen Unterschied,
selbst bei Knochen, die noch prall mit Fleisch bedeckt sind!
An dem Tag, da du deinem Kind den Namen des Vogels lehrst, wird es den Vogel nicht mehr sehen.
(Krishnamurti)
Wie wahr! Wenn Ihr Kind dieses flaumige, lebendige, munter umherhüpfende Etwas zum ersten Mal sieht, und Sie zu ihm sagen: „Spatz“, dann wird es, sobald es ein anderes, flaumiges, umherhüpfendes, ähnliches Etwas sieht, sagen: „Och, Spatzen, Spatzen kenne ich schon. Die sind ja sooo langweilig.“
Geschirr spülen
Als ein Gast sich freiwillig meldete, das Geschirr nach dem Essen zu spülen, sagte der Meister: „Sind Sie sicher, daß Sie wissen, wie man Geschirr spült?“
Der Mann versicherte dem Meister, daß er es sein ganzes Leben lang gemacht hätte. Sagte der Meister: „Oh, ich zweifle nicht an Ihrer Fähigkeit, das Geschirr sauber zu machen, ich bezweifle nur, ob Sie es wirklich waschen können.“
Seinen Schülern sagte er daraufhin zur Erklärung: „Es gibt zwei Möglichkeiten, Geschirr zu spülen: die eine, es zu waschen, um es sauber zu machen; die andere, es zu waschen, um es zu waschen.“
Das war weit davon entfernt, den Schülern nun einzuleuchten! Deshalb fügte der Meister hinzu: „Das erste ist ein totes Tun, denn während euer Körper Geschirr spült, ist euer Geist auf den Zweck fixiert, es sauber zu machen; das zweite ist ein lebendiges Tun, weil dabei euer Geist dort ist, wo euer Körper ist.“
Warum so schreien?
Nachdem ein Schüler bei einer Versammlung eine zündende politische Rede gehalten hatte, fragte er den Meister, was er von seinen Ausführungen halte. Erwiderte der Meister: „Wenn das, was du sagtest, wahr ist, warum mußtest du dann so schreien?“
Etwas später sagte er zu allen Schülern:
„Die Wahrheit hat mehr unter der Hitze ihrer Verteidiger zu leiden als unter allen Angriffen ihrer Gegner.“
Unterdrücken
Als eine Schülerin ihren Haß gegenüber den Unterdrückern ihres Landes aussprach, erwiderte der Meister:
„Laß dich von niemandem so tief niederdrücken, daß es bei dir Haß gegen ihn aufkommen läßt.“
Der einzige Feind
Ein Wissenschaftler führte dem Meister einen Dokumentarfilm über die Errungenschaften der modernen Naturwissenschaft vor.
„Heute sind wir in der Lage, eine Wüste zu bewässern“, triumphierte er, „die Kraft der Niagara-Fälle zu nutzen, die Zusammensetzung eines weit entfernten Sternes zu ermitteln und den Aufbau eines Atoms zu durchschauen. Unsere Eroberung der Natur wird bald keine weißen Flecken mehr kennen.“
Der Meister war beeindruckt, aber nachdenklich. Später sagte er: „Warum die Natur erobern? Die Natur ist unser Freund. Warum stecken wir diese Energie nicht in die Überwindung des einzigen Feindes des Menschengeschlechts - die Furcht?“
Heilung
Zu einem bekümmerten Menschen, der sich an ihn um Hilfe wandte, sagte der Meister: „Willst du wirklich Heilung?“
„Wenn nicht, würde ich mir dann die Mühe machen, zu Euch zu kommen?“
„Oh ja, die meisten Menschen tun das.“
„Wozu?“
„Nicht wegen der Heilung – die tut weh, sondern um Erleichterung zu finden.“
Seinen Schülern sagte der Meister: „Menschen, die Heilung wollen, vorausgesetzt, sie können sie ohne Schmerzen bekommen, gleichen jenen, die für den Fortschritt eintreten, vorausgesetzt, sie können ihn ohne Veränderung bekommen.“