"Herr, gedenke nicht nur der Männer und Frauen guten Willens,
sondern auch aller böswilligen.
Gedenke nicht nur all der Leiden,
die wir unter ihrem Joch zu erdulden haben.
Gedenke auch der Früchte,
die wir dank dieser Leiden hervorgebracht haben
- unserer Kameradschaft, unserer Treue,
unserer Demut, unserer Tapferkeit und Hochherzigkeit,
der Herzensgröße, die das alles inspirierte.
Und wenn sie dann vor den Richter treten,
lass all diese Früchte, die wir hervorgebracht haben,
ihnen zur Vergeltung und zur Vergebung gereichen."
(Hierbei handelt es sich um ein Gebet, das auf ein Stück Packpapier aufgeschrieben und im Konzentrationslager Ravensbrück gefunden worden war.)
Es gibt erfülltes Leben
trotz vieler unerfüllter Wünsche.
(Dietrich Bonhoeffer)
Man muss sich durch die kleinen Gedanken,
die einen ärgern, immer wieder hindurchfinden
zu den großen Gedanken, die einen stärken.
(Dietrich Bonhoeffer)
Ich glaube, daß Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alles zum Besten dienen lassen.
Ich glaube, daß auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und daß es ihm nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.
Ich glaube, daß er kein zeitloses Faktum ist, sondern daß er auf aufrichtige Gespräche mit ihm und verantwortliche Taten wartet und antwortet.
Ich glaube, daß Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.
In solchem Glauben müßte alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.
(Dietrich Bonhoeffer)
Es hat oberstes Ziel aller Erziehung zu sein, dass Auschwitz nicht noch einmal ist.
(Theodor W. Adorno)
First they came for the Jews
and I did not speak out -
because I was not a Jew.
Then they came for the communists
and I did not speak out -
because I was not a communist.
Then they came for the trade unionists
and I did not speak out -
because I was not a trade unionist.
Then they came for me -
and there was no one left
to speak out for me.
(Pastor Niemoeller, victim of the Nazis)
Die folgenden Geschichten sind aus Anthony de Mellos Bücher
"Eine Minute Unsinn", "Eine Minute Weisheit", "Warum der Schäfer jedes Wetter liebt", "Wer bringt das Pferd zum Fliegen?" und "Zeiten des Glücks"
Musik der Unsterblichkeit
In einem Konzentrationslager lebte einmal ein Gefangener, der, obwohl er zum Tode verurteilt, furchtlos und frei war. Eines Tages sah man ihn mitten auf dem Gefängnisplatz Gitarre spielen. Eine große Menge versammelte sich um ihn, denn unter dem Zauber der Musik wurden alle genauso furchtlos wie er. Als die Gefängnisbeamten das merkten, verboten sie dem Mann zu spielen.
Aber am nächsten Tag war er wieder da, sang und spielte auf seiner Gitarre, und die Menge um ihn war größer als zuvor. Wütend schleppten ihn die Wärter weg und hackten seine Finger ab.
Am nächsten Tag war er wieder da, sang und spielte, so gut er mit seinen blutenden Fingern konnte. Dieses Mal jubelten ihm die Menschen zu. Die Wärter schleppten ihn fort und zerschlugen seine Gitarre.
Am nächsten Tag sang er aus ganzem Herzen. Was für ein Lied! So rein und beglückend! Die Menge fiel ein, und während des Singens wurden ihre Herzen so rein wie seines und ihr Geist genauso unbesiegbar. Dieses Mal waren die Wärter so wütend, daß sie ihm die Zunge ausrissen. Stille breitete sich über dem Lager aus, eine Ahnung von Unsterblichkeit.
Zu jedermanns Erstaunen war er am nächsten Tag wieder da und wiegte sich tanzend zu einer tonlosen Musik, die nur er hören konnte. Und bald faßten sich alle an den Händen und tanzten um diese blutende, zerbrochene Gestalt in der Mitte, während die Wärter wie angewurzelt dastanden.
Ein Strafgefangener in einem sibirischen Konzentrationslager wurde um vier Uhr morgens geweckt und erhielt ein Stück Brot, als Ration für den ganzen Tag. So gerne er dieses Stück Brot auf einmal gegessen hätte, sagte er sich: "Besser, ich hebe mir einen Teil auf, vielleicht brauche ich es heute nacht, wenn ich vor Hunger nicht schlafen kann. Wenn ich dann etwas zu essen habe, werde ich vielleicht wieder einschlafen können."
Nach einem langen Tag harter Arbeit streckte er sich müde auf seinem Lager aus, zog die Decke über sich, die ihn kaum wärmte, und sprach zu sich: "Heute war ein guter Tag. Ich musste nicht im eisigen Nordostwind arbeiten. Und wenn mich heute nacht der Hunger weckt, kann ich ein Stückchen Brot essen und weiterschlafen."
Kannst du dir die Freude und das Glück dieses Mannes vorstellen?
Freude findet man nicht in Äußerlichkeiten. Lös dich von dieser irrigen Ansicht, sonst findest du die Freude nie.
Kleine Dinge können einen sehr glücklich machen
Dies ist die Geschichte eines Gefangenen in einem Nazi-Gefängnis: Der Verhaftete wurde Tag und Nacht gepeinigt und gefoltert. Eines Tages wurde er in eine andere Zelle verlegt, die ein Dachfenster besaß, durch das er am Tag ein Stückchen blauen Himmel sehen konnte und nachts ein paar Sterne. Er war entzückt und schrieb über sein großes Glück nach Hause an seine Familie. So groß war seine Freude.
Ich las diese Geschichte und blickte aus meinem Fenster. Allen Überfluß der Natur sah ich vor mir. Und ich war frei und kein Gefangener, konnte gehen, wohin ich wollte! Ein Gebet der Freude erhob sich in mir, ausgelöst durch diesen armen Gefangenen.