Dinge zu besitzen kostet Zeit.
Auf Dinge zu verzichten,
die wir nicht brauchen,
bringt Zeit -
eine andere Art von Reichtum!
(gehört von Brigitte Guber)
Manche Leute halten einen vollen Terminkalender
für ein erfülltes Leben.
(Uhlenbruck)
Es ist nicht wenig Zeit, die wir zur Verfügung haben.
Es ist viel Zeit, die wir nicht nutzen!
(Seneca)
Wir könnten Menschen sein.
Einst waren wir schon Kinder.
Wir sahen Schmetterlinge.
Wir standen unterm silbernen Wasserfall.
Wir sahen alles.
Wir hielten die Muscheln ans Ohr.
Wir hörten das Meer.
Wir hatten Zeit.
(Max Frisch)
Das Recht des Kindes auf den heutigen Tag
Wir sollten auch die gegenwärtige Stunde achten, den heutigen Tag.
Wie soll es morgen leben können, wenn wir es heute nicht bewusst, verantwortungsvoll leben lassen?
(Janusz Korczak)
Hier und Jetzt
Laufe nicht der Vergangenheit nach,
verliere dich nicht in der Zukunft.
Die Vergangenheit ist nicht mehr.
Die Zukunft ist noch nicht gekommen.
Das Leben ist hier und jetzt.
(Buddha)
Es nutzt nichts, auch wenn Du tausend Mal an der Olive zupfst -
sie wird deshalb doch nicht früher reif.
(aus der Toscana)
Die modernste Form menschlicher Armut ist das Keine-Zeit-Haben.
(Ernst Ferstl)
Wer nach der Uhr lebt, muss damit rechnen, dass ihm sein Leben
mit der Zeit auf den Wecker geht.
(Ernst Ferstl)
ZEIT ist keine Schnellstraße zwischen Wiege und Grab,
sondern Platz zum Parken in der SONNE.
(Phil Bosmans)
Mit Uhren kennen wir uns nicht aus.
Wir tun die Dinge dann, wenn wir bereit sind.
(Irokesen Sachem)
Ein Mann fährt zu ´nem Blitzbesuch
zu seinem Vater auf das Dorf,
der Vater füttert grade Katzen.
Der Mann sagt: "Tag, ich bleib nicht lang,
hab eigentlich gar keine Zeit,
ich weiß nicht mehr, wo mir der Kopf steht.
Ich hetz mich ab und schaffe nichts,
ich bin nur noch ein Nervenwrack,
woher nimmst du nur deine Ruhe?"
Der Alte kratzt sein linkes Ohr,
und sagt: "Mein Lieber, hör gut hin,
ich mach es so, es ist ganz einfach:
Wenn ich schlafe, schlafe ich,
wenn ich aufsteh´, steh ich auf,
wenn ich gehe, gehe ich,
wenn ich esse, ess´ ich,
wenn ich schaffe, schaffe ich,
wenn ich plane, plane ich,
wenn ich spreche, spreche ich,
wenn ich höre, hör´ ich."
Der Mann fragt: "Was soll dieser Quatsch,
das alles mache ich doch auch,
und trotzdem find´ ich keine Ruhe?"
Der Alte kratzt sein linkes Ohr,
und sagt: "Mein Lieber, hör gut hin,
du machst es alles etwas anders:
Wenn du schläfst, stehst du schon auf,
wenn du aufstehst, gehst du schon,
wenn du gehst, dann isst du schon,
wenn du isst, dann schaffst du,
wenn du schaffst, dann planst du schon,
wenn du planst, dann sprichst du schon,
wenn du sprichst, dann hörst du schon,
wenn du hörst, dann schläfst du!"
"Wenn ich schlafe, schlafe ich,
wenn ich aufsteh´, steh ich auf,
wenn ich gehe, gehe ich,
wenn ich esse, ess´ ich,
wenn ich schaffe, schaffe ich,
wenn ich plane, plane ich,
wenn ich spreche, spreche ich,
wenn ich höre, hör´ ich."
(Gerhard Schöne)
Wenn es irgendetwas geben sollte, das ich gerade
jetzt für die Zukunft tun kann, dann werde ich es auch tun.
Dabei lasse ich es dann bewenden und erfreue mich
an dem jetzigen Augenblick, denn meine Lebenserfahrung
hat mir gezeigt, dass ich mich einer Situation
nur dann stellen kann, wenn sie tatsächlich da ist,
nicht bevor sie eintritt. Immer noch hat mir die Gegenwart
die Möglichkeiten und die Energie gegeben, die ich brauche,
um mit ihr fertig zu werden.
(Anthony de Mello)
Mein sind die Jahre nicht,
die mir die Zeit genommen.
Mein sind die Jahre nicht,
die etwa möchten kommen.
Der Augenblick ist mein!
Und nehm ich den in acht,
so ist der mein,
der Jahr und Ewigkeit gemacht.
(Andreas Gryphius)
Den Augenblick immer als den höchsten Brennpunkt der Existenz, auf den die ganze Vergangenheit nur vorbereitete, ansehen und genießen, d a s würde L e b e n heißen.
(Friedrich Hebbel)
Meine mangelnde Schnelligkeit nennst du Langsamkeit.
Meine Langsamkeit ist dein Problem. Hör endlich auf,
mich mit DEINEN Problemen zu behelligen.
(Äußerung von einem behinderten Kind)
Die Zukunft ist eine "undankbare" Person,
die grad nur diejenigen quält, die sich sorgsam um sie kümmern.
(Johann Nestroy)
Die Menschen, die niemals Zeit haben, tun am wenigsten.
(Lichtenberg)
Zeit haben nur diejenigen, die es zu nichts gebracht haben.
Und damit haben sie es weiter gebracht als alle anderen.
(Giovanni Guareschi)
Die meiste Zeit verliert man damit, dass man Zeit gewinnen will.
(John Steinbeck)
"Siehst du, Momo", sagte Beppo Straßenkehrer dann zum Beispiel, "es ist so: Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang, das kann man niemals schaffen, denkt man."
Er blickte eine Weile schweigend vor sich hin, dann fuhr er fort: "Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt immer mehr. Jedesmal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst zu tun, und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen."
Er dachte einige Zeit nach, dann sprach er weiter: "Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer nur an den nächsten."
Wieder hielt er inne und überlegte, ehe er hinzufügte: "Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein."
Und abermals nach einer langen Pause fuhr er fort: "Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste."
Er nickte vor sich hin und sagte abschließend: "Das ist wichtig."
(aus: Michael Ende, Momo)
Von roten Ampeln ...
Hält mich eine rote Ampel auf, so frage ich mich sofort: „Wird die Ampel schneller grün, wenn ich mich jetzt ärgere, wenn ich jetzt ungeduldig werde?“
Wozu also sinnlos wertvolle Energien verschleudern?
Wer auf dem Weg zur Sonne ist,
kommt durch ein paar hektische Luftsprünge
auch nicht schneller voran.
(Peter Ustinov)
Am Strassenrand
Sauerampfer färbt das Feld rotscheinend.
Farben fließen ineinander, ergeben Harmonie von weiten Wiesen.
Und wir zerschneiden diese Landschaften mit grauen Straßenbändern,
auf denen wir - zu schnell für unser Auge - dahin rasen in unseren Autos.
Wohin so eilig, Mensch?
(Kristiane Allert-Wybranietz)
Ein HUP ist die Zeitspanne zwischen dem Aufleuchten des grünen Lichts einer Ampel und dem Beginn des Hupkonzerts hinter dem ersten Wagen.
(unbekannt)
Ich habe meinen Emile nicht erzogen, damit er etwas wünsche und erwarte, sondern damit er sich freue; ... daß er mit seinen Gedanken immer mehr beim Gegenwärtigen als beim Zukünftigen weilt...
Was soll man von jener barbarischen Erziehung halten, die die Gegenwart einer ungewissen Zukunft opfert, die also das Kind mit allerlei Fesseln belastet und von vornherein unglücklich macht, um es auf irgendein in weiter Ferne liegendes Glück vorzubereiten, das es vielleicht nie erreicht?
(Jean-Jacques Rousseau in seinem Erziehungsroman „Emile“)
Die ganze Kunst des Lebens steckt wohl darin, in jedem Augenblick immer das Nächste, immer nur den Anfang zu wollen und das Ende Gott befohlen sein zu lassen (im redensartlichen und im ernsthaften Sinne der Redensart)... Das rächt sich immer, wenn man sich das Nächste, was vor einem steht, zum bloßen Mittel für das, was nachher kommen soll, erniedrigt. Man muß das Nächste so tun, als gäbe es weiter gar nichts. Es gibt auch weiter gar nichts. Schon das Übernächste geht uns nicht mehr an.
(Franz Rosenzweig)
Ich bin verantwortlich für den heutigen Tag meines Zöglings, es ist mir kein Recht gegeben, sein zukünftiges Schicksal zu beeinflussen und mich da einzumischen...
Der Erzieher ist nicht verpflichtet, Verantwortung für die entfernte Zukunft auf sich zu nehmen – aber er ist voll verantwortlich für den heutigen Tag. Ich weiß, daß dieser Satz Mißverständnisse wecken wird. Man denkt es gerade umgekehrt, meiner Überzeugung nach falsch, wenn es ehrlich gemeint ist. Aber ehrlich? Vielleicht verlogen. Es ist leichter, die Verantwortung hinauszuschieben, sie in ein nebelhaftes Morgen zu übertragen, als schon heute über jede Stunde Rechenschaft abzulegen. Der Erzieher ist mittelbar auch für die Zukunft vor der Gesellschaft verantwortlich, aber unmittelbar trägt er Verantwortung in erster Linie vor seinem Zögling für die Gegenwart.
(Janusz Korczak)
Wir sollten Achtung haben vor den Geheimnissen und Schwankungen der schweren Arbeit des Wachsens!
Wir sollten auch die gegenwärtige Stunde achten, den heutigen Tag. Wie soll es morgen leben können, wenn wir es heute nicht bewußt, verantwortungsvoll leben lassen? Wir sollten jeden einzelnen Augenblick achten, denn er stirbt und wiederholt sich nicht, und immer sollten wir ihn ernst nehmen; wird er verletzt, so bleibt eine offene Wunde zurück, wird er getötet, so erschreckt er uns als ein Gespenst böser Erinnerungen.
Lassen wir das Kind doch unbeschwert die Freude des frühen Morgens genießen und vertrauen. Das Kind will es eben so. Die Zeit ist ihm nicht zu schade für ein Märchen, für ein Gespräch mit seinem Hund, fürs Ballspielen, fürs genaue Betrachten eines Bildes, fürs Nachzeichnen eines Buchstabens – aber all das mit Freude. Es hat recht. In unserer Naivität fürchten wir den Tod und wissen nicht, daß das Leben ein Reigen vergehender und wieder neu entstehender Augenblicke ist...
Unbeholfen teilen wir die Jahre in mehr oder weniger reife auf; es gibt gar kein unreifes Heute, keine Hierarchie des Alters, keinen höheren oder tieferen Rang des Schmerzes und der Freude, der Hoffnung und Enttäuschung. Wenn ich mit einem Kinde spiele oder spreche, dann haben sich zwei gleichwertig reife Augenblicke in meinem und in seinem Leben verbunden; wenn ich mit einer Kinderschar zusammen bin, dann begrüße oder verabschiede ich immer ein einzelnes einen Augenblick lang mit einem Blick oder einem Lächeln. Wenn ich in Gegenwart eines Kindes ärgerlich bin, dann vergewaltigt und vergiftet nur mein böser, rachsüchtiger Augenblick den reifen und wichtigen Augenblick in seinem Leben.
(Janusz Korczak)
Die folgenden Geschichten sind aus Anthony de Mellos Bücher
"Eine Minute Unsinn", "Eine Minute Weisheit", "Warum der Schäfer jedes Wetter liebt", "Wer bringt das Pferd zum Fliegen?" und "Zeiten des Glücks"
Zeitlos
Sagte der Tourist: "Die Leute in Ihrem Land sind arm. Doch sie scheinen sich nie Sorgen im voraus zu machen."
Sagte der Meister: "Das liegt daran, daß sie nie auf die Uhr schauen."
Keine Zeit
Die Besucher waren immer wieder von der Ruhe und Muße des Meisters beeindruckt.
"Ich habe gar nicht die Zeit, um in Eile zu sein", konnte er sagen.
"Mein Leiden ist unerträglich."
Sagte der Meister: "Der gegenwärtige Augenblick ist niemals unerträglich, vielmehr, was du in den nächsten fünf Minuten oder in den nächsten fünf Tagen auf dich hereinbrechen siehst, ist es, was dich verzweifeln lässt. Mit dem Körper hier zu sein, um acht Uhr abends, und in Gedanken auf halb elf zu stehen, das bringt Probleme. Hör auf, in die Zukunft zu leben."
Genießen
Von einer Reise zurückgekehrt, erzählte der Meister von einer Begebenheit, die er für ein Gleichnis des Lebens hielt.
Während eines kurzen Aufenthalts ging er an einen einladend aussehenden Essensstand, an dem köstliche Suppen, heißer Curry und alle möglichen verlockenden Gerichte angeboten wurden.
Er bestellte eine Suppe.
"Gehören Sie zu dem Bus?" fragte fürsorgend die Bedienung. Der Meister nickte.
"Es gibt keine Suppe."
"Heißen Curry mit gedämpftem Reis?" fragte der Meister irritiert.
"Nein, wenn Sie zum Bus gehören. Sie können belegte Brote haben. Ich habe den ganzen Morgen gebraucht, um diese Speisen zuzubereiten, und Sie haben kaum zehn Minuten Zeit zum Essen. Ich möchte Sie kein Gericht verzehren lassen, für das Sie nicht die Zeit haben, es zu genießen."
Wer bringt das Pferd zum Fliegen?
Im alten Indien verurteilte ein König einen Mann zum Tode.
Der Mann bat den König, das Urteil aufzuheben, und fügte hinzu: "Wenn der König gnädig ist und mein Leben schont, werde ich seinem Pferd innerhalb eines Jahres das Fliegen beibringen."
"Es sei", sagte der König, "aber wenn das Pferd in dieser Zeit nicht fliegen lernt, wirst du dein Leben verlieren."
Als seine Familie voll Sorge den Mann später fragte, wie er sein Versprechen einlösen wolle, sagte er: "Im Lauf eines Jahres kann der König sterben. Oder das Pferd kann sterben, oder es kann fliegen lernen. Wer weiß das schon?"
Gesichtspunkte
Im Kloster gab es keine Uhren. Als sich ein Geschäftsmann über mangelnde Pünktlichkeit beklagte, sagte der Meister: "Bei uns herrscht eine kosmische Pünktlichkeit und keine geschäftliche Pünktlichkeit."
Der Geschäftsmann sah darin keinen Sinn. Und so fügte der Meister hinzu: "Alles hängt vom Gesichtspunkt ab. Was bedeutet aus der Sicht des Waldes der Verlust eines Blattes? Was bedeutet aus der Sicht des Kosmos der Verlust deines Terminkalenders?"
Die besten Dinge des Lebens sind uns geschenkt. Dinge wie das Sehvermögen, Gesundheit, Liebe, Freiheit und das Leben selbst. Schade nur, dass wir uns an ihnen nicht recht erfreuen. Wir sind zu sehr von dem Gedanken belastet, dass wir nicht genug von sehr nebensächlichen Dingen besitzen: wie Geld, gute Kleider und Ruhm.
Als ich einmal zurück in meine Heimat flog, hatte das Flugzeug Verspätung, und ich war verärgert. Als es dann den Flughafen erreicht hatte, kreiste es fast eine halbe Stunde wegen "technischer Schwierigkeiten", wie es diskret hieß, über dem Flughafen, was uns noch mehr verspätete. Diese halbe Stunde war voller Spannung und Sorgen. Du kannst dir unsere Erleichterung vorstellen, als wir landeten. Was war mit meinem Ärger geschehen? Der war verflogen. Wir waren sehr froh, sicher auf der Erde zu sein. Die Verspätung war nun eine dumme Kleinigkeit. Doch erst die Möglichkeit eines schweren Unfalls führte uns das vor Augen.
Noch etwas ist notwendig, um lebendig zu sein: jetzt zu sein. Was heißt das? Es heißt in erster Linie, etwas zu verstehen, was die wenigsten verstehen, nämlich: dass die Vergangenheit nicht die Wirklichkeit ist, ebensowenig wie die Zukunft, und dass in der Vergangenheit und in der Zukunft zu leben bedeutet, tot zu sein. Mir ist durchaus klar, dass es in der Vergangenheit viele wunderbare Dinge gibt, aus denen wir auch etwas lernen können, und dass die Vergangenheit uns beeinflusst und formt. Gut! Aber sie ist nicht die Wirklichkeit.
Ein junger Manager rief eines Tages seinen Auslandsvertreter an und sagte kurz angebunden: "Ich rufe an, weil ich Anweisungen geben will. Der Anruf wird nur drei Minuten dauern. Ich werde sprechen und bitte Sie, nicht zu unterbrechen. Irgendwelche Anmerkungen dazu oder Fragen kabeln Sie bitte später."
Dann begann er, seine Anweisungen durchzugeben. Er tat das so schnell, dass er schon vor der Zeit fertig war. "Wir haben noch zwanzig Sekunden übrig", sagte er dem Mann am anderen Ende. "Haben Sie etwas dazu zu sagen?"
"Ja", kam die Antwort, "Sie haben so schnell gesprochen, dass ich nicht ein Wort verstehen konnte."
Unser Hund Brownie saß in perfekter Habachtstellung mit gespitzten Ohren, nervös mit dem Schwanz wedelnd, und blickte aufmerksam hinauf in einen Baum. Er hatte es auf einen Affen abgesehen. Nur eine Sache beschäftigte ihn: der Affe. Und da er nicht denken kann, störte kein einziger Gedanke seine völlige Versenkung: kein Gedanke daran etwa, was er abends fressen würde, ob es überhaupt etwas zum Fressen geben oder wo er schlafen würde. Ich habe noch kein Wesen gesehen, das dem Inbegriff von Kontemplation so nahe kam wie Brownie.
Vielleicht hast du selbst schon einmal Ähnliches erfahren, z. B. bei der Beobachtung eines spielenden Kätzchens, das dich völlig in Anspruch nahm. Das ist ein Weg, um einen Zustand der Versenkung zu erreichen, der auch nicht schlechter ist als andere, die ich kenne: sich völlig der Gegenwart hingeben.
Ein bisschen viel verlangt, in der Tat: jeden Gedanken an die Zukunft fallen zu lassen, desgleichen jeden Gedanken an die Vergangenheit - im Grunde jeden Gedanken überhaupt -, auch jede Zeitrechnung und völlig in der Gegenwart leben. Dann wird man Versenkung erleben!
So schnell es geht
Der Meister wurde gefragt, was er von den Errungenschaften der modernen Technik halte. Seine Antwort war:
Einem zerstreuten Professor fiel in letzter Minute ein, dass er eine Vorlesung halten musste. Er sprang in ein Taxi und rief: "Los, fahren Sie, so schnell Sie können!"
Als das Taxi in voller Fahrt war, merkte der Professor, dass er dem Fahrer gar nicht das Ziel angegeben hatte. "Wissen Sie denn, wohin ich möchte?" rief er ihm zu.
"Nein, mein Herr", sagte der Taxifahrer, "aber ich fahre, so schnell ich kann."
Antreiben
Stets überließ der Meister jedem, das Tempo der eigenen Entwicklung zu bestimmen. Man wußte, daß er nie "antrieb". Er erklärte das mit folgendem Gleichnis:
Ein Mensch sah zu, wie ein Schmetterling sich anstrengte, aus seiner Puppe zu schlüpfen. Es ging ihm nicht schnell genug, also begann er, sanft darauf zu blasen. Sein warmer Atem beschleunigte tatsächlich den Prozeß. Aber was herauskroch, war kein Schmetterling, sondern eine Kreatur mit übel zugerichteten Flügeln.
"Einen Wachstumsprozeß", schloß der Meister, "kann man nicht beschleunigen, man kann ihn nur abbrechen."
Um Frieden zu finden, gibt es kein Sofortrezept.
Man muß ihn mit Ruhe suchen.
Die Gelegenheit
Ein junger Mann beschrieb voller Ungeduld, was für die Armen zu tun ihm vorschwebte.
Sagte der Meister: "Wann möchtest du deinen Traum wahr machen?"
"Sobald die Gelegenheit dafür kommt."
"Die Gelegenheit kommt nie", sagte der Meister, "sie ist da."
Was die Schnecke hat
Die Tiere hielten ein Versammlung ab und begannen, sich darüber zu beklagen, dass die Menschen ihnen immer wieder Dinge wegnehmen.
„Sie nehmen meine Milch“, sagte die Kuh.
„Sie nehmen meine Eier“, sagte die Henne.
„Sie nehmen mein Fleisch und machen Speck daraus“, sagte das Schwein.
„Sie machen Jagd auf mich wegen meines Öls“, sagte der Wal.
Und so ging es fort.
Schließlich sprach die Schnecke. „Ich habe etwas, was sie gerne hätten, und zwar mehr als alles andere. Etwas, was sie mir gerne wegnähmen, wenn sie könnten. Ich habe Zeit.“